337, 440, 754, 26.500, 224.000.000 und 2.900.000.000

Screenshot: „galileo-ip“

Altenstadt/WN-Ingolstadt. 337, 440, 754, 26.500, 224.000.000 und 2.900.000.000 – die Zahlen sind beeindruckend: „Es war einer der umfangreichsten Aufträge in unserer bisherigen Firmengeschichte“, untermauern Claus Krapf, geschäftsführender Gesellschafter, und Prokurist Markus Meister vom Altenstädter Vermessungsbüro „galileo-ip – Ingenieure GmbH“ die Aussagekraft der oben genannten Ziffern. Diese resultieren aus der Befliegung, Vermessung und anschließenden Datenauswertung des Werksgeländes der AUDI AG in Ingolstadt. Zudem wurde das Güterverkehrszentrum (GVZ) aus der Luft vermessen.

Seit bereits rund 70 Jahren baut AUDI an diesem Standort Automobile, das Herz des Konzerns schlägt somit an der Donau. Die AUDI AG, so auf ihrer Homepage (https://www.audi.de), hat in Ingolstadt ihren Stammsitz und betreibt die größte Produktionsstätte innerhalb des Großunternehmens. Von der ersten Idee bis hin zum fertigen Auto – insgesamt inzwischen 491.262 (Stand: 31. Dezember 2018): Im Ingolstädter Werk findet der gesamte Produktionsprozess der Modelle Q2, A3, A4 und A5 und deren Derivate statt. 44.526 Menschen (Stand: 31. Dezember 2018) arbeiten dort gemeinsam am Vorsprung durch Technik, die AUDI AG ist somit die wirtschaftliche Lokomotive und der größte Arbeitgeber in dieser Region.

Und: Bereits seit 2013 ist sie fester Rahmenvertragspartner der „galileo-ip“. „Es hat sich in den letzten Jahren eine gewachsene und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt“, unterstreicht Meister.  Zumal die „galileo-ip“ als einziges Vermessungsbüro in der Region im Bereich „3D-Erfassung vom Boden und aus der Luft, inklusive der Auswertung“ sowie dem heutzutage immer wichtiger werdenden Segment „Mobile Mapping“ ein absolutes Alleinstellungsmerkmal besitzt. Auch im Bereich „Stereoskopische Auswertung/Photogrammetrie“ ist die „galileo-ip“ eines von bayernweit lediglich zwei gelisteten Ingenieurbüros.

Neben der langjährigen Partnerschaft alles Gründe, warum sich die AUDI AG dazu entschied, ihr Werksgelände und das GVZ durch die „galileo-ip“ aus der Luft vermessen zu lassen. Für das Werksgelände erhielt sie so einen in dieser Form einmaligen und detaillierten Plan. Die Befliegung mit einem Flugzeug diente dabei dazu, Daten zu erfassen, die die AUDI AG als Grundlage für ihre weiteren Planungen und Bestandsdokumentation benötigt. Mit einem zweimotorigen Flieger wurden die Luftbilder mit einer sogenannten Ultra-Cam aufgenommen, die eine Bodenauflösung von rund drei Zentimeter garantiert.

Die Photogrammetrie – die räumliche Auswertung der Erdoberfläche aus hochauflösenden Luftbildaufnahmen – als eine präzise wissenschaftliche Methode zum Vermessen und Verarbeiten geografischer Informationen in Form analoger und digitaler Daten, schloss sich an. „Die aus den Luftbildern hergestellten digitalen Orthofotos erlauben hierbei eine genaue Vermessung aller sichtbaren Flächen“, erklärt Meister, der die Ergebnisse bei einer Präsentation vor Ort, bei der mehrere ADUI-Abteilungen dabei waren, vorstellte. „Damit können die AUDI-Fachabteilungen den kompletten Datenbestand nutzen und anwendungsbezogen weiter verwenden“, so der „galileo-ip“-Prokurist weiter.

Das Altenstädter Vermessungsbüro wertete Fahrbahnränder, Grünflächen, Parkflächen, Gehwege, Böschungen, Geländesprünge (z. B. Mauern), Gelände-Rasterpunkte, Gebäude, Fahrbahnmarkierungen und Dachkanten aus. Weiterhin erstellte das Unternehmen zur weiteren Verwendung durch die AUDI AG ein Oberflächenmodell. Der Automobilhersteller bekam so mit den Orthofotos umfassende Daten, die er künftig zum Beispiel für die Prüfung des Werkslageplans, die Lagekontrolle der Medienschächte, die Prüfung der Fahrwege und Schleppkurven und als Planungshintergrund verwenden kann. Die generierten 3D-Punktwolken wiederum können beispielsweise zur Koordinatenauskunft, zur Höheninformation, zur Höhenauswertung für die Abflussberechnung, für optische Prüfungen, für Maßentnahmen oder für die Darstellung von Neubauplanungen genutzt werden.

Das Stichwort ist in diesem Zusammenhang die „Digitale Fabrik“ für die AUDI AG. Bei der handelt es sich um einen Standard zur virtuellen Planung von Fabriken und Anlagen. Die „Digitale Fabrik“ ein Oberbegriff für ein umfassendes Netzwerk von digitalen Modellen und Methoden unter anderem der Simulation und 3D-Visualisierung. Ihr Zweck ist die ganzheitliche Planung, Realisierung, Steuerung und laufende Verbesserung aller wesentlichen Fabrikprozesse und -ressourcen in Verbindung mit den AUDI-Produkten.

Damit aber nicht genug: Mit dem BIM, dem Building Information Modeling oder übersetzt der Bauwerksdatenmodellierung, hat die AUDI AG durch die von der „galileo-ip“ bereitgestellten Daten nun Grundlagen zur Verfügung, die sie für die optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung ihrer Gebäude mithilfe einer speziellen Software verwenden kann. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. „Das Bauwerk ist als virtuelles Modell auch geometrisch visualisiert“, weiß Meister.

Die Vorteile des BIM-Verfahrens liegen dabei für den Ingolstädter Autohersteller auf der Hand: Er hat eine verbesserte Qualität der Daten zur Verfügung, da sie alle auf eine gemeinsame Datenbasis zurückgehen und ständig synchronisiert werden. Alle Beteiligten haben zudem einen unmittelbaren und kontinuierlichen Zugriff auf alle aktuellen und relevanten Daten, was wiederum einen verbesserten Informationsaustausch zwischen den Planungsbeteiligten garantiert. Und während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes werden dessen Daten zudem kontinuierlich aufbereitet. „Durch den verbesserten Datenabgleich soll letztlich die Produktivität des Planungsprozesses hinsichtlich Kosten, Termine und Qualität gesteigert werden“, unterstreicht Meister einen weiteren Vorteil der erfassten Daten als Basis für die AUDI AG.

Unterm Strich lieferte die „galileo-ip“ beeindruckende Zahlen: Das Gebiet, das beflogen wurde, umfasste 337 Hektar. Es wurden 440 Einzelbilder aufgenommen, es entstanden so 754 Orthofotos mit einer Größe von 2000×2000 Pixel im Raster von 100×100 Meter sowie eine Punktwolke aus  2.900.000.000 Einzelpunkten. Das Oberflächenmodell, für das rund 26.500 Kanten ausgewertet wurden, besteht aus rund 224.000.000 Dreiecken in der Vermaschung – einer der umfangreichsten Aufträge in der bisherigen Firmengeschichte der „galileo-ip“.

 

Bericht von Stephan Landgraf

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