Die schlichte Formel des Rock’n’Roll begeistert

Aufgepasst: Laut und rockig – die Hamburger Kultband „Ohrenfeindt“ um Frontmann Chris Laut feierte im „Salute“ gelungenen Abschluss ihrer „Tanz nackt.“-Tour.

Rothenstadt – Mundharmonika, Slide-Gitarren, fette Riffs und rauer, heiserer Gesang: Das ist die schlichte Formel für den beinharten Rock’n’Roll, für den in Deutschland fast niemand besser steht als die Band „Ohrenfeindt“. Auch wenn die Jungs aus Hamburg seit Ende 2018 unterwegs waren und eigentlich die im Februar 2019 schon abgeschlossene „Tanz nackt.“-Tour nochmals verlängerten, müde waren Chris Laut, Keule Rockt und Andi Rohde bei weitem noch nicht. Das zeigten sie am Samstagabend im Rothenstädter Rockmusikclub „Salute“ eindrucksvoll.

Unterm Strich war es ein grandioser Abschluss der Tournee, auf der „Ohrenfeindt“ seine neue Scheibe präsentierte. Beim insgesamt fünften Auftritt im „Salute“, unterstützt von der Vorband „5 Aces“, tat das Trio aus Hamburgs Rotlichtbezirk St. Pauli, das, was es am besten kann: „Unsere Musik schwitzt, stampft, ächzt, kracht und rockt und rollt. Und das wollen wir möglichst nackt und ungeschminkt zeigen“, hatte Frontmann Chris Laut im Vorfeld angekündigt.

„Ohrenfeindt“ hielt dieses Versprechen gnadenlos ein, von der der ersten bis zur letzten Minute, die am Samstag erst mit der vierten Zugabe beendet war. Der Titel „Tanz nackt.“ ihrer neuen CD machte deutlich, dass ihre Songs daraus auch noch eine andere Dimension als den unbekleideten Tanz an der Stange hat. „‘Tanz nackt.‘ ist ein Song über den Seelen-Striptease, den es braucht, um jemanden hinter deine Selbstschutz-Maske sehen zu lassen“, erklärt während des Konzertes Laut.

„Tanz nackt.“ stehe auch für die nachdenklichen Momente. Aber nur für einen Augenblick, denn mit einer ordentlichen Fuhre straighter Rocker, schwerer Stampfer und schneller Haareschüttler und vor allem jeder Menge Spaß und Spielfreude liefern die Reeperbahn-Rocker postwendend das Mittel gegen die Sinnkrise. Das bestand dann zwar nur aus zwei Songs aus „Tanz nackt.“, was dem „Salute“-Publikum aber egal war.

„Ohrenfeindt“ bot über zwei Stunden lang ein Potpourri aus ihren bislang veröffentlichten acht Studioalben. Dazu gehörten unter anderem „Motormädchen“, „Schwarz auf Weiß“, „“Rock’n’Roll Sexgott“, „Motor an“ und natürlich auch „Sie hat Ihr Herz an St. Pauli verloren“. Das Trio, das sich mit Shows auf den wichtigsten Biker-Events im deutschen Sprachraum eine treue Gefolgschaft erspielt hat und schon mit Größen wie „Nazareth“, „Torfrock“ und den „Toten Hosen“ auf Tour war, brauchte am Samstag nicht lange, um das ansonsten oftmals etwas kühle oberpfälzer Publikum anzuheizen.

Das lag sicherlich in der Tatsache begründet, dass „Ohrenfeindt“ mit der Songauswahl zu ihren Wurzeln zurückkehrten und sich auf das konzentrierte, was die Band von Anfang an ausgemacht hat: straighte Riffs ohne Fiesematenten mit klaren Ansagen in den Texten. Damit eroberten sie erneut die Herzen der Zuhörer, was schließlich auf Gegenseitigkeit beruhte. „Mit dem Salute haben wir einen kleinen, aber feinen und gut organisierten Club vorgefunden, der wiederum richtig Spaß gemacht hat. Heißen Dank an die gesamte Mannschaft und das roggenrohlverrückte oberpfälzer Publikum“, sagten Chris Laut, Keule Rockt und Andi Rohde dann auch.

 

Bericht und Bilder: Stephan Landgraf